Neil Young: Ein Hippie-Traum, kiwi Verlag, 475 Seiten

Dass ich ein Buch, dessen Autor ich bewundere, in einem Wort beschreiben kann, nein zwei, ist selten. Die für Neil Youngs Autobiografie lauten: Fast unlesbar. Das Wort „fast“ allein deshalb, weil ich es wegen der erwähnten Bewunderung wirklich versucht habe, immer wieder neu ansetzend, weiter hinten, zurückblätternd, nach einem tollen Satz suchend, einer Beschreibung, irgendwas von Kraft, auch vorn, in der Mitte, ganz hinten. Aber man muss so hart sagen: Neil Young, der Mann der uns unsterbliche Songs, Hymnen und Alben geliefert hat, dessen rastloser Geist bizarre und tolle Dinge ersonnen hat (Bio-Electric Transportation = Autos, ein digitales Abspielformat und den dazugehörigen Player, das ganz nah den den Vinyl Sound rankommt...), aber dieser echte Künstler KANN NICHT SCHREIBEN. Nicht für 5 Cent.


Das Buch hat weder eine erkennbare Linie, noch ein erkennbares Lektorat noch den erkennbaren Willen irgendjemanden etwas nützliches, witziges oder auch berührendes zu erzählen. Nützlich ist es als Ersatzfuß unterm Sofa, witzig ist es nur unfreiwillig (wenn Neil von seinen Modelleisenbahnaktivitäten erzählt) und berührend (im Sinne von traurig machend) ist an dem Buch der verquaste, vollkommen gescheiterte Versuch das eigene Leben in Erinnerungssplittern nachzuerzählen, gerade so wie es einem in den Sinn kommt. „So schreibt ein Hippie, verstehste?“,scheint er uns zurufen zu wollen aus seiner Textwolke voller redundanten Nebensächlichkeiten, ohne Zugriff auf Dramaturgie oder Eleganz von Sprache oder auch nur einen Mindestmaß an erzählerischem Talent.


Das Buch ist nicht so introspektiv wie ein Tagebuch wäre, auch als Celebritiy Geschichte (wie ich wurde, was ich bin) taugt es nicht, auch nicht als Rock‘n Roll Erzählung, mal wild, mal müde, mal verkatert und dann wieder total geil drauf - nein das hier ist ein fast 500-seitiger Besinngungsaufsatz eines schreibunbegabten Erstsemesters zu den Themen Eisenbahn, Autos, MP3 Technik, Häuser in Kalifornien, die Ehe im allgemeinen und speziellen, die lieben Kinder, Musik und Leute, die er mal kannte oder noch kennt, politische naive Erklärungsversuche - alles einfach hingeschrieben, wie es ihm durch den Kopf ging. Holy Shit.


Als Gegengift muss ich gleich nochmals das grandiose „Das Buch der von Neil Young Getöteten“ von Navid Kermani lesen, um den Glauben an diesen großen Künstler nicht zu verlieren. Oder einfach Psychedellic Pill hören oder das wunderbare Live at the Cellar Door Album oder Mirror Ball oder oder oder.

Das hier ist - dem Titel folgend - ein Hippie-Alptraum in Buchform: Gelaber und Haltungs- wie Harmlosigkeit bei gleichzeitigem Is-mir-egal Geschreibe über Dies und Jenes. Oh my, Oh my... statt Hey Hey My My.